Kategorien
Allgemein

Erster WirMarkt Popup-Store war erfolgreich!

Vom 21.-23. April haben wir für drei Tage im Neuen Amt Altona, Neue Große Bergstraße 5, 22767 Hamburg aufgemacht.

Unsere Community ist nun 48 Mitglieder stärker, wir waren auf der Titelseite der Mopo, es gab einen Artikel im Hamburger Abendblatt und wir haen 516 Produkte verkauft!

Vor allem war es total schön, mit der gesamten Community den Store auf die Beine zu stellen. Von Ladenbau bis Flyern, Kassieren bis untereinander Kennenlernen.

Wir freuen uns auf die nächste Community-Aktion und die Eröffnung!

Unten findet ihr eine kleine Auswahl an Fotos von unserer Veranstaltung.

Kategorien
Allgemein

Multiple Krisen und neue Strukturen

Der Krieg in der Ukraine lässt uns weiterhin nicht los. Wir möchten euch dazu ermuntern, weiter zu spenden, Geflüchteten zu helfen, für den Frieden zu demonstrieren und euch für eine offene, demokratische Gesellschaft einzusetzen.

Wir leben in einer Zeit multipler Krisen – neben der Klimakrise, dem Artensterben, der zunehmenden Ungleichheit und Covid-19 kommen für uns Menschen in Europa nun auch noch ein Krieg hinzu.

Wenn wir wirklich Frieden haben wollen, kann dies nur gelingen, wenn wir Strukturen aufbauen, die in Kreisläufen funktionieren, statt durch Übernutzung menschlicher und natürlicher Ressourcen. Wenn wir in Zeiten multipler Krisen überleben möchten, braucht es daher auch anpassungsfähige Strukturen auf lokaler Ebene, die auf Vertrauen, Solidarität und Respekt aufbauen. Genau diese wollen wir mit euch aufbauen. Und dazu einen Supermarkt mit euch aufbauen.

Kategorien
Rezension

Auslaufmodell Supermarkt?

Warum Produkte selbst aus den Regalen suchen und dann an der Kasse stehen, wenn es alternativ in 10 Minuten geliefert wird?

Immer mehr Menschen nutzen Lieferdienste für ihren Wocheneinkauf. Mit Gorillas und Flink gibt es zwei prominente Anbieter und auch die Supermarktketten haben ihre eigenen Lieferdienste.

Wer heutzutage einen stationären Supermarkt eröffnet, braucht daher ein gutes Konzept. Differenzierung über den Preis? Keine Chance gegen die großen Discounter. Differenzierung über die Produktvielfalt? Keine Chance gegen Supermärkte und Lebensmittel-Center. Durch fair und nachhaltig? Vielleicht schon eher, doch darin sind die Bio-Ketten (zumindest in der medialen Wahrnehmung) schon ziemlich gut. Und die Supermärkte werden seit den Kooperationen mit den großen Bio-Verbänden auch immer besser darin.

Was den vielen Lieferdienst-Kund:innen fehlt ist ein Grund, in den Supermarkt zu gehen.

Darum haben wir uns beim WirMarkt viele Gedanken darüber gemacht, warum wir einen Supermarkt eröffnen wollen und was dort anders ist als im herkömmlichen Supermarkt.

Unser Warum haben wir schnell gefunden: wir möchten eine andere Wirtschaft. Eine Wirtschaft, die sich in erster Linie am Wohlergehen der Stakeholder (Lieferantinnen, Kunden, Mitarbeiterinnen, Natur, Gesellschaft) orientiert, statt an Wachstum oder Gewinn. Und eine Wirtschaft, die es diesen Stakeholdern nachvollziehbar macht, was hinter den Kulisse passiert (z. B. Produktionsbedingungen, Standards, Externe Faktoren, Wahre Kosten).

Was den WirMarkt als Supermarkt unterscheidet ist zum einen der Anspruch, dass bei uns alle Konsument:innen nachvollziehen können, wie wir wirtschaften und was auf dem Weg von Acker bis Supermarkt passiert und welche Rahmenbedingungen herrschen.

Und der zweite wichtige Aspekt ist, dass der WirMarkt Mitwirkung ermöglicht. Ein aktives Mitglied ist gleichzeitig auch Miteigentümer:in und kann im Tagesgeschehen mitwirken oder auch an den Standards mitarbeiten. Dazu bieten wir Strukturen, die es Teilhabe leicht machen – sei es durch unsere IT-Infrastruktur oder die Erklärungen im Laden.

Wer schauen möchte, was im Großen gerade so im Bereich Supermarkt passiert, der oder dem sei die Dokumentation „Auslaufmodell Supermarkt“ empfohlen. Sie endet mit der Prophezeiung: „In Zukunft werden die erfolgreich sein, die Technologie und menschliche Dienstleistung auf positive Weise verbinden.“

Da ist was dran.

Mediathek-Tipp: Auslaufmodell Supermarkt?

„Jahrzehntelang beherrschten große Supermarktketten den globalen Lebensmittelmarkt. Doch allmählich scheint ihr Geschäftsmodell überholt: Ein harter Preiskrieg zwischen den Einzelhändlern und die Ankunft digitaler Großkonzerne wie Amazon und Alibaba stürzen Supermarktketten in eine immer tiefere Krise. Der Dokumentarfilm zeigt auch, wie das Einkaufen von morgen aussehen könnte.“ (Quelle: ARTE)

Zum Beitrag auf ARTE
Kategorien
Allgemein

Call for Scientists

Wirkung fairer und transparenter Supermarkt-Strukturen auf Gesundheit von Mensch und Planet

Liebe Wissenschafts-Community!

Wir möchten eine Wirtschaft, die für alle fair und transparent geregelt ist. Und die gesund für die Menschen und den Planeten ist.

Deshalb bauen wir jetzt einen gemeinschaftlichen Supermarkt. Transparent wird der, indem wir beispielsweise Preise verständlich erklären und in einen Zusammenhang mit den tatsächlichen Kosten stellen. Fair wird der, indem wir unsere Lieferant:innen fragen, was für sie ein auskömmlicher Preis ist, statt den niedrigsten Preis zu zahlen.

Uns ist aber bewusst: unsere Überzeugung allein reicht nicht, dass dies zu einer besseren Welt führt. Wir brauchen euch Wissenschaftler:innen, die empirisch beurteilen, ob unser Supermarkt bei den Beteiligten zu einem anderen Bewusstsein, zu einem anderen Handeln oder sogar zu einer anderen Gesellschaft führt.

Neugierig?

Besonders spannend sind für uns folgende Themen, über die wir gern mit dir sprechen wollen:

  1. Wie verändern sich Essgewohnheiten durch den WirMarkt – werden sie gesünder für die Menschen? Und auch gesünder für den Planeten, z. B. das Klima oder die Artenvielfalt?
  2. Wie sehr führt das Miteinander von Konsument:innen und Produzent:innen zu fairen und langfristigen Lieferbeziehungen?
  3. Wie können wir die Anzahl Planeten berechnen, die unser Supermarkt verbraucht und wie kann diese Information den Supermarkt transformieren?
  4. Welche Informationen sind für die Menschen im WirMarkt relevant und führen zu einer positiven Transformation, die gesund für Menschen und Planeten ist?
Daten

Von persönlichen Interviews bis zur Auswertungen der Kassenzettel ist für uns alles denkbar – solange keine personenbezogenen Daten ohne explizite Einwilligung benutzt werden und der Prozess transparent abläuft.

Melde dich bei uns!

Dann schreibe Fabian aus unserem Team eine Mail oder rufe ihn an:

Kategorien
Allgemein Hintergundwissen

Born for Korn – Unkonventionell Konventionell?

In dem Dokumentarfilm “Born for Korn”, der vorletzte Woche seine Hamburger Premiere feierte, folgen die Zuschauer über mehrere Monate der Milchbauernfamilie Sierck, mittlerweile in der 6. Generation. Es geht um vieles – Eigenständigkeit, Tierwohl, und die Übernahme des Hofs Fuhlreit und der Meierei Geestfrisch durch zwei der Söhne. Dass dies überhaupt klappt, ist nicht selbstverständlich. Mit jedem Generationswechsel halbiert sich die Zahl der familiengeführten Bauernhöfe, da der Beruf durch steigenden wirtschaftlichen Druck immer weniger Zukunftsperspektiven bietet.

Auf bewusst unspektakuläre Weise lernen wir den Hof und seine Besitzer kennen, folgen ihnen durch den Alltag, und hören ihre Ansichten und Sorgen. Wir sehen wie sich Sohn Arne um die Kühe kümmert, wie sehr sich die Kühe und Bauern freuen, wenn die Tiere auf die Weide getrieben werden, mit wie viel Herzblut Gunda Sierck den Hofladen führt. Jörn Sierck erklärt in einer der Szenen einem Hofbesucher, dass immer einige der Kühe ‚trocken‘ sind, also eine Ruhepause von der Milchabgabe haben. Hier können Verbraucher nicht nur schmecken, sondern auch sehen, wie ihr Käse entsteht. Dies ist jedoch sogar für die Bauern anfangs gewöhnungsbedürftig. Produzent und Verbraucher müssen wieder langsam zueinander zurückfinden.

Die Familie hat dem (für Bauern) unwirtschaftlichen Milchpreis und den schwierigen Marktstrukturen auf ihre Weise den Kampf angesagt – durch den Aufbau ihrer eigenen Milchverarbeitung und die Direktvermarktung der Produkte im eigenen Hofladen. Denn, so Bauer Jörn Sierck, wenn man zwar Lebensmittel produziert, aber nicht davon leben kann, dann liege etwas ganz im Argen. Die Direktvermarktung klappe ganz gut, besonders weil die Leute das Einkaufen im Hofladen zu schätzen wissen. Zu wissen, wie und wo die eigene Nahrung produziert wird, ist ein immer wichtiger werdender Faktor, und immer mehr Verbraucher sind auch bereit, dafür einen fairen Preis zu zahlen.

Die Siercks sind stolze Unternehmer, und wollen nach eigener Aussage nicht abhängig sein von Subventionen oder anderen Geldern. Zugleich aber fordern sie, dass sich ganz klar die Rahmenbedingungen für Bauern von Seiten der Politik ändern müssen, um dem Hofsterben ein Ende zu bereiten und den Beruf wieder attraktiver zu machen. Auch bemängeln sie, dass Jungbauern in der Ausbildung zwar vieles über gute Produktion und EU-Gelder lernen, aber nicht genug über die Ertragsfalle, die sich aus dem schlechten Milchpreis ergibt. „Aber was sind das für Unternehmer, die produzieren, ohne zu wissen, welchen Preis sie für ihre Produkte bekommen?“ fragt Gunda Sierck.

Es gibt aber noch andere Spannungsfelder im Film. Einerseits sehen wir einen familiengeführten Bauernhof, dessen Besitzer sich bemühen, gleichzeitig den Betrieb zu erhalten und ihn zu modernisieren. Nachfolger Arne sieht keine Zukunft in einer Umstellung auf Bio, was er damit begründet, dass er seinen Kühen dann keine Antibiotika mehr verabreichen dürfe (was allerdings nicht ganz der Wahrheit entspricht), und für ihn daher die Gesundheit der Tiere wichtiger sei.

Andererseits jedoch sehen wir auch bei den Siercks wie Kälber von den Müttern getrennt werden und die nächsten Monate in kleinen Gehegen stehen, wo sie aus Euter-Eimern trinken, während die Mütter ihre Milch an Menschen abgeben. Es stellt sich die Frage, wie dies mit dem generellen Streben nach Tierwohl zu vereinbaren ist. Zu anderen Szenen, vor denen sich der Film nicht scheut, zählt unter anderem dass Verladen zwei der Bullen zum örtlichen Schlachter, die aber immerhin auf dem Hof aufwachsen durften, anstatt zur Mast abgegeben zu werden (interessanter Beitrag zum Thema hier).

Jungbauer Arne erzählt uns, dass die Kühe (von denen er alle 100 beim Namen kennt) zwar bis zu 25 Jahre alt werden könnten, aber nach ca. 10 schon “zu alt” sind um noch weiterhin für den Betrieb wirtschaftlich zu sein und deshalb geschlachtet werden. Die männlichen Kälber würden wegen der kurzen Lebenszeit gar nicht erst Namen bekommen. Dass ihm das alles unangenehm ist, sieht man ihm an – aber auch, dass er es für unumgänglich hält.

Dem Film gelingt es, nichts zu beschönigen oder zu verurteilen. Dadurch bekommt der Zuschauer seltene Einblicke und erfährt, welche Ansätze zwar im Rahmen der konventionellen Milchwirtschaft möglich und zukunftsweisend sind – aber auch, welche Praktiken oft trotzdem weiterhin aufrecht erhalten werden, wie zum Beispiel die Trennung der Kälber von den Müttern. Jedoch wird dem Zuschauer bewusst gemacht, dass die Siercks diese Entscheidungen getroffen haben, um den Bauernhof überhaupt noch betreiben zu können. Das Ergebnis eines weiteren aufgegeben Bauernhofs hätte vermutlich nicht weniger Kühe bedeutet, sondern die Übernahme des Betriebs durch einen größeren Betrieb und damit wahrscheinlich weniger Betreuung der Tiere.

Es stellt sich aber trotzdem die Frage, unter welchen Bedingungen – wenn überhaupt – Tiere zur Nahrungsmittelproduktion gehalten werden sollten.

Kategorien
Allgemein

Zu Besuch auf Biolandhof Woltmann

Hanke Woltmann (24) ist auf den WirMarkt in einem Newsletter aufmerksam geworden. Gemeinsam mit seinen Schwestern ist er auf dem Milchviehbetrieb seiner Familie groß geworden und hat sich schon recht früh dafür entschieden den Hof von den Eltern nach und nach zu übernehmen.

Bei einem von Hankes (seltenen) Hamburg-Ausflügen haben wir uns für einen fröhlichen Kaffee-Austausch getroffen und einige schöne Kooperationsideen gesammelt – mit Blick auf meinen Hafermilch-Cappuccino: „Ich kann euch auch Hafermilch machen.“ Kurzerhand wurde dann beschlossen, dass wir uns den Hof der Familie Woltmann am besten selbst anschauen und zu Besuch kommen. 


Hier ein paar Betriebsdaten zu Hankes Hof:

  • Bioland zertifiziert seit 2000
  • 160 Milchkühe und ca. 170 weibliche Rinder als Nachzucht, Rasse: Rotbunt DN
  • 245 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 3/5 Ackerland
  • Ackerland: Kleegras, Triticale, Mais, Blühfläche
  • Grünland: 3 – 4 Schnitte

Am Mittwoch (28.7.) hat sich die WirMarkt Crew mit Zelten, Isomatten und guter Laune in den Zug gesetzt und ist nach einer kurzen Zug- und Autostrecke quasi direkt im Maisfeld ausgestiegen. Der Futter-Mais für die Kühe wird (wie alles) bei den Woltmanns ökologisch angebaut, dh es gibt zwar etwas Unkraut, aber dafür kann der Boden mehr Wasser aufnehmen, ist stabiler und Erosion wird vermieden – was alles wiederum zum Hochwasserschutz beiträgt. Der Mais hatte (trotz Öko) schon eine stattliche Größe erreicht und uns alle überragt.

Hanke: „So mag ich meinen Mais.“

Den Unterschied zu herkömmlichen Feldern konnten wir dann im benachbarten Maisanbaufeld auch sehen.

Der trockene Boden einer konventionellen Anbau-Fläche

Als nächste Ackerfläche zeigte uns Hanke ein Feld mit Klee- und Weidegras. Das eiweißhaltige Grundfutter für Milchkühe mobilisiert Nährstoffe aus dem Unterboden und ist zwischendurch ein schöner Lebensraum für Nutzinsekten. Hier konnten wir den Unterschied zu Biolandbau auf einer konventionellen Wiese hören: Stille, kein Insektengezirpe.

Begeistert waren wir natürlich auch von der frisch gepflanzten Blühwiese in der zahlreiche Schmetterlinge von Blüte zu Blüte flatterten. Über Blühpatenschaften und CO2 Zertifikate soll die große unbestellte Ackerfläche finanziert werden und einen natürlichen Lebensraum für Bienen und Insekten bieten. 

Nun wollten wir natürlich endlich die eigentlichen Stars der Woltmanns kennenlernen und hatten ein sehr nettes Tête-à-tête mit den 2- und 3-jährigen Kühen. 

Hanke klopft den Kühen lachend auf den Rücken und sagt, wer hätte es gedacht? „So mag ich meine Kühe.“ 

Auf dem Hof selbst trafen wir die „schnellen Tanten“, sieben frisch-gebackene Mutterkühe, die zwei Wochen zu früh gekalbt haben und ihren kleinen niedlichen Nachwuchs in den selbstgebastelten „Iglus“. 

Hier interessierten uns die Gründe gegen eine muttergebundene Kälberaufzucht zu erfahren. Wie in den meisten modernen Milchviehbetrieben werden auch hier die Kälbchen nach kurzer Zeit von ihren Müttern getrennt. So soll sichergestellt werden, dass ein vorsichtig austariertes System nicht aus der Balance gerät. Denn wenn die Kälber nicht genug zu trinken bekommen, da die Mütter gemolken werden, könnten sie in ihrer Milchproduktionsleistung eingeschränkt werden. Die Mutterkuh kann durch das Kalb an den Eutern verletzt werden oder ihr Keime übertragen und dann würde sie in der Produktion ausfallen. Stattdessen bekommt jedes Kalb seine eigene Stallbox und per Milchtaxi oder im Eimer seine Milch geliefert. Das alles sind auch wirtschaftliche Fragen, denen wir weiter auf den Grund gehen wollen. Denn etwas nachdenklich hat uns der Anblick der kleinen Kälbchen so ganz ohne die Mütter trotzdem gestimmt. Wir hätten gern noch etwas länger mit ihnen geschmust. 

Später durften wir die „schnellen Tanten“ dann noch in der Milchstraße live in Action sehen und selber kurz mit melken. Abgerundet wurde die Hof-Tour mit einem selbst-hergestellten Stück Boxhornklee-Gouda (von dem wir sehr gern noch mehr mitgenommen hätten und vllt. bald bestellen werden).

Mit schon etwas Hunger und schwirrenden Köpfen von den ganzen Eindrücken und vielen Infos die Hanke uns lieferte, fuhren wir zum Biolandhof Allers in Neuenkirchen. Auf dem Hof nahe Otterndorf baut die Familie Allers verschiedene Gemüsesorten, Kartoffeln, Grünkohl, Möhren und Erdbeeren an. Im Rahmen des Hofkreislaufs wird mit dem Mist der Rinder, Schafe und Hühner regelmäßig gedüngt. Über eine vielseitigen Fruchtfolge und Kombination an Gemüse tüfteln sie daran den Bioland-Anbau noch weiter zu verbessern. Im kleinen Hofladen deckten wir uns noch mit Frühstücksutensilien und den Herausforderungen ein, die das Betreiben von einem kleinen liebevollen Laden so mit sich bringt.

Zum Ausklang der tollen Hofbesuche ging es noch nach Cuxhaven zum Fisch oder vegan essen mit Wattenmeer-Blick und auf ein, zwei (oder ein paar mehr) Schnäpse in die Kneipe um die Ecke. Auf unsere Frage ob denn hier niemand am Donnerstag arbeiten müsste, kam prompt die Antwort: „Das sind hier alles Bauern, die müssen jeden Tag früh aufstehen. Wochenende kennen wir hier nicht.“ Als wir uns am nächsten morgen müde von unseren Isomatten rollten, waren wir auf jeden Fall sehr beeindruckt 🙂

Kategorien
Allgemein Hintergundwissen

Bauern und Biodiversität: kurz vor dem Burnout?

Warum wir mehr Gemeinwohl in der Landwirtschaft brauchen und welche Wege dorthin führen.

  • Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in einer systemischen Krise, mit drastischen Folgen für Natur und Mensch. Es gibt immer weniger Insekten und Vögel. Gleichzeitig werden Landwirt*innen unmöglichen Wachstumsforderungen ausgesetzt, von denen nur Großbetriebe profitieren.
  • Während Supermarktketten und Agrarkonzerne als Gewinner aus der Pandemie herausgehen, kämpfen Landwirt*innen und Landarbeiter*innen weltweit um ihre Existenz.
  • Der Deutsche Bauernverband begibt sich oftmals in eine Opfer- bzw. Heldenrolle, anstatt an dringend notwendigen Lösungen für die Zukunft der Landwirtschaft (und des Planeten) mitzuarbeiten.
  • Es gibt aber auch viele neue Ansätze, wie es auch anders geht: zum Beispiel durch das Erfassen von externen Kosten mit Richtig Rechnen in der Landwirtschaft und einer Orientierung an der Gemeinwohl-Ökonomie.

Die Landwirtschaft im Auge des Sturms

Am 11. Juni fand im HADLEY’S in Hamburg der Zwischenraum-Salon statt, dieses Mal zum Thema “Gemeinwohl in der Landwirtschaft”. Coronabedingt war es ein kleiner, aber feiner Kreis, der sich an diesem lauen Frühsommerabend traf, um den zwei Sprecherinnen zuzuhören und selbst am Gespräch teilzunehmen. Die Gäste des Abends waren Tanja Busse, Autorin des Buchs Das Sterben der Anderen, und Anneli Wehling, ihrerseits engagierte Milchviehwirtin aus Schleswig-Holstein. Für die Moderation sorgte Dr. Klara Stumpf von der Alfred-Toepfer-Stiftung.

Wer an das Thema “Landwirtschaft” denkt, denkt oft an die Probleme, mit denen die Branche kämpft, beziehungsweise die sie mitverursacht. Besonders wenn es um Klima-und Umweltschutz geht, läuten immer mehr Alarmglocken. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich diesbezüglich so einiges aufgestaut. Um nur ein paar Sachen aufzuzählen: mangelnder Umweltschutz, Treibhausgasemissionen, Massentierhaltung, Bodenerosion. Der Einsatz von Pestiziden und rücksichtlosem Mähen führt zu massiven Biodiversitätsverlusten, von Insekten bis hin zu Vögeln. Mit jedem neuen wissenschaftlichem Bericht zur Lage scheint sich die Prophezeiung des “Silent Spring” (“stummer Frühling”) von Rachel Carson zu bestätigen. Tanja Busse bezeichnet diesen Prozess als Defaunation. Eine Anekdote hierzu, die viele heranziehen, ist das “Fehlen” von Insekten auf der Windschutzscheibe nach einer Fahrt auf der Autobahn. Vor 20, 30 Jahren war das doch noch ganz anders, oder?

Tanja zeigt auf, dass sich dieser Prozess schon seit langer Zeit anschleicht: so schrieb schon Rosa Luxemburg in einem Brief von 1917 über das Schwinden der Singvögel in Deutschland als Folge einer zunehmend rationellen Forstkultur und des Ackerbaus. Das Phänomen nennt sich “shifting baselines syndrome”: jede Generation gewöhnt sich an die Artenvielfalt, mit der sie aufwächst; Veränderungen werden nur selbst über die Jahre hinweg (wenn überhaupt) wahrgenommen. Passt sich der Mensch zu oft an solch einen neuen „Standard“ an, ohne etwas dagegen zu unternehmen, kommt er irgendwann unweigerlich an einen Punkt, an dem ganze Ökosysteme zu kippen drohen. Komplette Kreisläufe können sich dann einfach kaum oder nicht mehr erholen. Und genau vor solch einem “Tipping Point” stehen wir mittlerweile seit geraumer Zeit, warnen viele Wissenschaftler.

Quo Vadis, Landwirtschaft?

Auch auf menschlicher Seite verschärfen sich die Bedingungen. Anneli Wehling berichtet, dass sie einst aus Liebe zu den Kühen und dem Handwerk als Milchbäuerin in die Branche einstieg, und dass die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte so ziemlich alle Freude daran zerquetschten. Mittlerweile sei nur noch an der kranken Kuh Geld zu verdienen, und trotzdem bleibe den Bauern einzig ein Restgeld. Landwirt*innen stehen immer mehr unter Druck, sollen “unternehmerischer” werden; koste, was es wolle. Wer nicht mithalten kann mit dem Wachstumswahnsinn, sich nicht noch weiter verschulden kann, um seinen Hof und Viehbestand zu vergrößern, schmeisst irgendwann verbittert hin.

Da Landwirt*in ein immer weniger attraktiver Beruf wird, überrascht es nicht, dass die Anzahl der Betriebe seit 1999 um 42 Prozent zurückgegangen ist. Steht ein Hektar Land zum Verkauf, stehen die Chancen gut, dass dieser ruckzuck und mittels zwielichtiger Praktiken von außerlandwirtschaftlichen Spekulanten und Konzernen aufgekauft wird. Kleinere landwirtschaftliche Betriebe, besonders junge oder ökologische, haben bei den immer weiter steigenden Preisen trotz Vorverkaufsrecht kaum eine Chance, um an dringend benötigten Boden (zum Beispiel zum Kühe weiden oder Futter anbauen) ranzukommen. Land wird auf diese Weise rapide denen entzogen, die es auch tatsächlich bewirtschaften.

So zum Beispiel der Fall Hauke Jaacks: seinem Hof, der auf gepachtetem Grundstück steht, droht das Ende, da das Grundstück an einen außerlandwirtschaftlichen Investor verkauft wurde. Entstehen soll dort ein Reitstall. Jaacks hatte ein Kaufangebot abgegeben, als er erfuhr, dass das Grundstück zum Verkauf stand. Die Eigentümerin hatte den Hof geerbt, aber ihrerseits kein Interesse an der Landwirtschaft. Über die Jahre hinweg gab es einige Reibungen mit der Verpächterin um die Frage, wer was wo investieren soll. Jaacks fiel aber aus allen Wolken, als er durch Zufall erfuhr, dass der Hof schon an einen Investor verkauft wurde. Das Vorverkaufsrecht griff angeblich nicht, da der Pferdehof als landwirtschaftlicher Betrieb eingestuft wurde. Das Konzept für den Hof liegt jedoch nicht einmal der Bezirksversammlung Altona vor. Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), beschreibt die Lage so: „Ein Immobilienmakler wird auf Grundlage einer Skizze für einen Pferdehof mit einem praktizierenden Milchbauern gleichgestellt.“ Hauke Jaacks hat nun Widerspruch bei der Hamburger Wirtschaftsbehörde eingelegt.

Das “wirtschaftliche Korsett” wird immer enger

Die wenigsten Bauern wollen laut Anneli aktiv in einem System arbeiten, das Natur und Tierwohl hinten anstellt. Jedoch fühlen viele sich mittlerweile einfach nur noch zwischen den Fronten zerrieben: als Hauptverantwortliche für das Umsetzen immer neuer, teurer Umweltauflagen einerseits, und dem Wachstumsdruck andererseits. Gerade in Zeiten der Coronapandemie kommt die folgende Dynamik immer stärker zum Tragen: es hat sich ein “wirtschaftliches Korsett” gebildet, das vielen Produzenten langsam die Luft abschnürt, während zum Beispiel Großhändler, Discounter, und Supermärkte durch Preisdrückung und Ausbeutung massive Gewinne einfahren. In der Ausbildung zum Landwirt, hören wir von einer Teilnehmerin aus dem Publikum, ginge es mittlerweile nur noch um letzteres. Neue Umweltmaßnahmen würden oft als geschäftsbremsende, “grüne” Schnapsidee gesehen – denn die Landwirte von heute sähen sich ja nicht mehr als bloße “Bauern und Bäuerinnen”, sondern als stolze Unternehmer*innen und Fachkräfte, die auf harten Märkten konkurrenzfähig bleiben müssen.

Maßgeblich an dieser Misere beteiligt sei auch auch der Deutsche Bauernverband, der unter den Landwirten oft Stimmung gegen Reformen mache und sich für ein “Weiter so!” einsetze. Der Verband sei stark mit der Agrarlobby-und Industrie verflochten, was dazu führt, dass oft in deren Interesse – sowie unter dem Deckmantel der Interessen der Landwirte – immer die gleiche Politik betrieben wird. Und immer wieder werden genau die Großbauern zu Funktionären gewählt, die am meisten (oder als einzige) davon profitieren. So stand an der Spitze des Deutsche Bauernverbands jahrzehntelang der “Bauernbaron”, Freiherr Heereman von Zuydtwyck. Heutiger Präsident, Joachim Rukwied, wurde vom Naturschutzbund NABU 2017 mit dem “Dinosaurier des Jahres” ausgezeichnet, da er die Verantwortung der Landwirtschaft für das Artensterben abstreite. Rukwied freute sich über die Auszeichnung, da “sie von vielen Berufskollegen und Mitgliedern als Auszeichnung verstanden” würde. Dies sagt einiges über den traurigen Grabenkampf aus, der auf Kosten heutiger und zukünftiger Generationen geführt wird.

Es geht auch anders

Es gibt zwar eine Menge, das momentan schief geht – aber es gibt auch neue und wichtige Ansätze, wie wir Alternativen kreieren können. So zum Beispiel führte die Regionalwert AG zusammen mit dem Agronauten e.V. zwischen 2018 und 2019 das Projekt „Richtig Rechnen in der Landwirtschaft“ durch. Ziel war es, ähnlich wie beim True Cost-Prinzip, Mehrkosten und Leistungen zu erfassen, die beim Einsatz nachhaltiger Methoden in der Landwirtschaft entstehen; zum Beispiel der Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge-und Pflanzenmittel, und die regionale Herkunft von Betriebsmitteln. Durch eine anschließende monetäre Bewertung von Indikatoren sollten diese Nachhaltigkeitsleistungen dann über einen Fonds finanziert werden.

Die Gemeinwohl-Ökonomie orientiert sich am eigentlichen Zweck des Wirtschaftens, und zwar der Erfüllung menschlicher Bedürfnisse. Zentral stehen hier gute Beziehungen zwischen Unternehmen und Lieferant*innen, Mitarbeiter*innen und anderen Beteiligten, sowie zu Werten wie Menschenwürde, Solidarität, ökologischer Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung. Dem Prinzip nach sollten Unternehmen, die besonders viel für das Gemeinwohl leisten, durch niedrigere Steuern und andere Mechanismen einen Marktvorteil erhalten. Hierdurch sollen kooperative Unternehmen, die sich für regionales und nachhaltiges Wirtschaften engagieren, in den Vordergrund gerückt werden.

Auch interessant sind Genossenschaften wie Kulturland oder BioBoden, die Land kollektiv aufkaufen, um es wieder regional eingebundenen Bio-Bauernhöfen zur Verfügung zu stellen.

Vor allem benötigen Alternativen zu unserem maroden Nahrungsmittelsystem viel Tatkraft und Willen, um Realität zu werden. Was zählt, ist, dass wir damit anfangen, Veränderungen aktiv zu leben und zu fördern. Mit dem WirMarkt wollen wir genau dies bewirken, und gleichzeitig eine Plattform für andere Initiativen bieten, denn am allerwichtigsten für eine bessere Zukunft ist die Zusammenarbeit. Wir freuen uns auf die spannenden Entwicklungen, an denen wir in den kommenden Jahren natürlich mitwirken werden. Du auch? Dann mach mit!

Kategorien
Allgemein Hintergundwissen

Wie viel Zukunft steckt in meiner Tasse Kaffee?

Kaffee. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht an dem schwarzen Gold nippen. Und mal ehrlich, wer kann sich seinen Morgen noch ohne vorstellen? Im Durchschnitt trinkt jede*r Deutsche jeden Tag sogar drei Tassen davon, was sich auf sagenhafte 150 Liter Kaffee pro Jahr beläuft und damit noch vor unseren anderen Nationalgetränken – Bier und Mineralwasser – liegt. Und einer Umfrage zufolge verbinden Menschen in Europa Kaffee mit positiven Gefühlen wie Freude, Wärme, und Energie. Aber wer von uns weiss eigentlich, wo genau der tägliche Kaffee herkommt – und vor allem, ob dafür ein wirklich gerechter Preis gezahlt wurde?

Kaffee um jeden Preis?

Um es auf den Punkt zu bringen: für einen großen Anteil Kaffee wird immer noch viel zu wenig bezahlt. 2018 kostete ein Kilo Kaffee im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ca. 8,10€. Bei Aldi gibt es das Kilo sogar schon ab 5.98€. Bei diesen Preisen bleibt nicht viel übrig für die Produzent*innen in den Ursprungsländern – und besonders klimafreundlich kann bei den Preisen auch nicht produziert werden. Das wären übrigens ca. 7-8 Cent für eine Tasse Selbstgebrühten, wie wir ihn Zuhause oder bei der Arbeit trinken. Auf dem Weltmarkt sind Kaffeebauern starken Preisschwankungen und Spekulation ausgesetzt, und kriegen oft nur ein Restgeld für ihr Produkt.

Auch bei zertifizierten Kaffees, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind, ist nicht zwangsläufig drin was draufsteht. Diese Kaffees werden von einer oder mehreren Organisationen (Fair Trade, Rainforest Alliance, EU-BIO etc.) mit einem Siegel versehen, das bezeugt, dass sich die Produzenten an gewisse Vorgaben bei der Produktion gehalten haben, und dementsprechend mehr für ihren Kaffee bekommen. Es bestehen hier zwar gewisse Mindeststandards, was Umwelt und Menschen betrifft, die eingehalten werden sollen. Jedoch sind diese meistens nicht ausreichend, und landet der Aufpreis oft nicht in den Händen der Produzenten.

Hier sind lange und intransparente Lieferketten eines der Hauptprobleme. Oft weiß man nicht genau, wo der Kaffee herkommt, welcher Produktionseinsatz vor Ort stattfindet, und wie die verschiedenen Organisationen, von der Kleinbauern-Kooperative bis zum Einzelhandel, das Geld unter sich verteilen. Ein weiteres Problem ist dass die Bauern meistens nicht ihren ganzen teuer angebauten Kaffee auch als solchen verkaufen können, sondern ihn quasi verscherbeln müssen. Auch hier müssen Farmer*innen und Arbeiter*innen immer noch schauen, dass genug für Leben, Bildung und Investitionen übrigbleibt. Und nur weil bestimmte Umweltstandards erforderlich sind, heißt das noch lange nicht, dass jeder “grüne” Kaffee gleich Klimaretter ist.

Der wahre Preis deiner Tasse

Was kostet eigentlich eine Tasse Kaffee? Diese Frage stellten wir uns.

Um zu wissen, wie viel Kaffee wirklich kostet, hat die NGO Solidaridad eine Studie mit der “True Price” Methodologie erstellt. Diese misst anhand verschiedener Kriterien, wie viele externe Kosten durch die Produktion und den Handel des Kaffees entstehen. Externe Kosten sind Kosten, die jetzt oder in Zukunft durch die Herstellung eines Gutes entstehen und die sich nicht im Marktpreis widerspiegeln, zum Beispiel durch Wasserverschmutzung oder unfaire Löhne. Im Klartext heisst das: Schäden, die andere Menschen und die Natur schultern müssen, damit der Preis einer Tasse Kaffee für Grosshändler und Verbraucher “stimmt.”

In der Kolumbianischen Kaffee-Anbauregion Cauca wurde konventionell produzierter Kaffee (Benchmark) mit Climate-Smart Kaffee (CSA) verglichen. In der konventionellen Kaffeeproduktion wird auf maximale Erträge durch grossflächigen Anbau, Einsatz von chemischem Dünger und Pestiziden, und Ausbeutung von Arbeitern gesetzt. Climate-Smart Agriculture hingegen ziehlt darauf ab, die Produktion nachhaltiger zu gestalten, z.B. durch organische Pflanzenschutzmittel, Anbau von schützenden Bäumen und die Auswahl von widerstandsfähigeren Kaffeesorten. Ähnliche, jedoch nicht identische Anbaumethoden finden wir auch bei anderen Standards.

Bei der Studie kam heraus, dass der CSA-Kaffee um 20% weniger soziale und ökologische externe Kosten verursachte. Die externen Kosten lagen bei $3.15/kg für Benchmark und $2.50/kg für CSA Kaffee. Wenn man diese mitrechnet, müsste der Einkaufspreis bei $5.40/kg für Benchmark und $4.95/kg für CSA liegen.

Hier werden zwei Dinge deutlich: Erstens, dass unzertifizierter Kaffee eigentlich viel teurer ist, als er beim Kunden ankommt. Was umgekehrt ja heißt, dass eine gesunde Umwelt und faire Lebensbedingungen billig verscherbelt werden. Das ist besonders bitter, wenn man weiß, dass diese Art des Kaffeeanbaus durch Klimawandel und Umweltzerstörung dazu beiträgt, dass sich in Zukunft immer weniger Gebiete für den Anbau eignen werden. Dies wird zur Folge haben, dass Kaffee über kurz oder lang teurer wird, sofern diese Kosten dann nicht noch extremer abgeladen werden.

Zweitens wird klar, dass der CSA-Kaffee in diesem Beispiel zwar ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber dennoch weiterhin externe Kosten verursacht. Doch, was tun?

„The True Price of Climate Smart Coffee“. Solidaridad, 2019.

Den Kaffee kompensieren – wie viel soll das kosten?

Jedoch gibt es mittlerweile Röstereien, die die negativen Auswirkungen ihres Kaffees nicht nur verringern, sonder verschwinden lassen wollen. So zum Beispiel Truesday, die erste Deutsche Rösterei, die den True Price für ihren Kaffee aus Cauca miteinbezieht. Auf den Rohkaffeepreis wird hier nochmal 4,86€ als Kompensation draufgezahlt, wodurch ein Gesamtpreis von 8,99€ zurück in die Region fließt. Umgerechnet bedeutet das, dass die 7 Cent für die Tasse Durchschnittskaffee noch nicht einmal die Kosten im Ursprungsland decken. Bei Truesday kommt man auf 26 Cent pro Tasse, und die weiteren Kosten, die hiereingehen, werden auch transparent auf der Website dargestellt.

Drei Bilder mit Text. Eine Waage, Bäume und eine Hand, die eine Münze nimmt. Darstellung der ökologischen und sozialen Kosten pro Kilo "Cauca Excelso"
https://truesday.coffee

Ähnliche Ziele verfolgt auch TEIKEI Coffee, die mit viel Liebe und Aufwand ihren Kaffee per Segelschiff transportieren, um dadurch den ökologischen Fußabdruck ihres Kaffees stark zu verringern. So überquerten letztes Jahr 30 Tonnen grüner Kaffee auf diese Weise den Atlantik. Vorort stellt TEIKEI seinen Bauern und Bäuerinnen in Mexiko die zentrale Frage: „Was braucht ihr, damit ihr und auch eure Kinder weiterhin Interesse am Kaffeeanbau haben?“. Die Antwort auf diese Frage spiegelt sich auch bei TEIKEI in einem Tassenpreis von 26 Cent wieder.

Natürlich sind dies nur Beispiele, wie Ansätze eines fairen Kaffeehandels aussehen müssten. Wir wünschen uns natürlich, dass dies das neue Normal wird, auch bei vielen anderen Produkten, damit wir die planetaren Grenzen einhalten können. Solange aber fast ausschließlich riesige Konzerne am längeren Hebel der Handelskette sitzen, die auf Spekulation und Preisdrückung durch unfairen Wettbewerb setzen, ist es aber noch ein langer Weg dorthin. Wir beim WirMarkt möchten uns dafür einsetzen, das es eine weitere Möglichkeit gibt, den Wandel zu fördern. Dies wollen wir durch einen transparenten und demokratischen Supermarkt erreichen, bei dem ihr als Mitglieder mitbestimmt, was in die Tüte kommt – und was gar nicht. Also macht mit und schließt euch uns an, wir freuen uns auf euch!

Quellenangaben

Kategorien
Allgemein

Der WirMarkt kommt zu euch!

Wir erhalten gerade viel Zuspruch aus verschiedenen Stadtteilen Hamburgs – Altona, St. Pauli, Eppendorf, Hamm, Eimsbüttel, Hoheluft, Sasel, Volksdorf!

Wo eröffnet der erste WirMarkt?

Und natürlich erreicht uns auch oft die Frage: in welchem Stadtteil werdet ihr eröffnen?

Wir machen gerade jede Menge Scouting-Touren auf dem Fahrrad durch verschiedene Viertel und schauen, wo freie Flächen sind. Wir haben Objekte in Altona, Eimsbüttel und Barmbek in der engeren Auswahl, vermutlich kommen in den anderen Vierteln auch noch welche hinzu.

WirMarkt liefert

Der erste WirMarkt kann natürlich nur in einer Location eröffnen. Aber: wir planen, auch Auslieferungen anzubieten.

Falls ihr also zögert mitzumachen, weil ihr euch nicht sicher seid, ob ihr beim ersten WirMarkt in der Nähe wohnen werdet:

  • ihr könnt auch von einem anderen Stadtteil aus Mitglied der Community werden, Workshops besuchen oder anbieten und mit anpacken
  • wir werden schrittweise auch Lieferungen in andere Stadtteile anbieten
  • wir wollen auch weitere WirMärkte eröffnen

Eure Unterstützung hilft uns bereits jetzt, die erste wichtige Hürde zu nehmen: die Eröffnung des ersten Markts.

Kategorien
Allgemein

Location-Suche und Kennenlernen-Tour auf zwei Rädern #2

Zur Anmeldung schreibe eine kurze Mail an tour@wirmarkt.org.

Hallo liebe WirMarktler:innen,

am vergangenen Sonntag haben wir die erste Erkundungs- und Kennlerntour durchgeführt. Glücklicherweise hatten wir strahlenden Sonnenschein, sodass wir neben dem Absuchen der Bereiche Altona und Sternschanze auch noch eine gemütliche Pause mit einem leckeren Eis am Fischmarkt einlegen konnten.

Allerdings ist die Stadt groß und es gibt noch einige Unbekannte in unserem WirMarkt-Team. Deshalb möchten wir euch direkt zur nächsten Tour einladen, die uns diesmal durch die Straßen der Stadtteile Eimsbüttel, Eppendorf und Barmbek führen wird.

Ralf, Peter, Barbara und Fabian bei der Eispause bei der letzten Tour!

Termin: Sonntag, 06. Mai

Beginn: 14:00 Uhr

Dauer: geschätzt 3-4 Stunden (Inklusive Kaffee/Tee-Pause)

Treffpunkt: U-Bahn Osterstraße – auf dem Platz

Equipment: Fahrrad und Maske

Corona-Regeln: Nach aktuellem Stand sind Sportveranstaltungen im Freien mit bis zu 10 Personen zugelassen, daran wollen wir uns natürlich halten.

Ohne negativen Test wird niemand von der Tour ausgeschlossen, damit wir uns aber alle wohlfühlen können, wäre es nett, wenn jeder im Vorfeld einen Schnelltest durchführen würde.

Ein Testzentrum in eurer Nähe findet ihr hier:

https://schnelltest-hamburg.de
https://schnelltest-hamburg.de

Anmeldung: Zur Anmeldung schickt ihr bitte eine Mail an tour@wirmarkt.org

Vorgeschlagene Route:

Unbekannt – die oder derjenige mit der besten Ortskenntnis übernimmt die Führung.

Wir freuen uns über ein paar Zusagen und hoffen, dass diejenigen, die bereits letztes Mal dabei sein wollten, es dieses Mal einrichten können.

Ralf

Zur Anmeldung schreibe eine kurze Mail an tour@wirmarkt.org.